Wiesbadener Kurier: Der große Sprung über den Atlantik
30.01.2007US-Botschafter lädt bei Moschee-Besuch in Frankfurt zehn muslimische Mädchen in die USA ein
FRANKFURT (dpa) Zehn muslimische Mädchen aus dem Rhein-Main-Gebiet werden in den Osterferien auf Einladung von US-Botschafter William R. Timken Jr. in die USA reisen. “Sie sind herzlich eingeladen zu sehen, wie wir leben”, sagte der Diplomat gestern bei seinem Besuch der Merkez-Moschee im Frankfurter Bahnhofsviertel.
In enger Kooperation mit der als gemäßigt geltenden “Türkisch-Islamischen Union der Anstalt für Religion (Ditib)” in Frankfurt sind 25 Mädchen im Alter zwischen 15 und 17 Jahren ausgewählt worden, von denen zehn an dem für sie kostenlosen Besuchsprogramm teilnehmen dürfen. Nach Darstellung der Botschaft ist es die dritte Teilnehmergruppe des Programms “Windows on America” und die erste, die ausschließlich aus Mädchen besteht.
Das von der Frau des Botschafters, Sue Timken, ins Leben gerufene und von zahlreichen Firmen unterstützte Programm richtet sich besonders an Jugendliche aus Einwandererfamilien. Die Jugendlichen bleiben zwei Wochen in den USA. Die Teilnehmer werden nach der Qualität eines in englischer Sprache geschriebenen Aufsatzes ausgesucht.
“Die Eltern vertrauen dem Botschafter und unserer Organisation”, sagte die türkische Religionslehrerin Gonca Aydin, die das Projekt für die Türkisch-islamische Union auf regionaler Ebene organisiert hat. Für die Eltern sei es nicht einfach, ihre Töchter über den Atlantik ziehen zu lassen, letztendlich hätten aber doch sehr viele teilnehmen wollen. Die Mädchen sollen in muslimischen Familien an der Ostküste untergebracht werden.
Die Schülerinnen hegten bei dem Vor-Treffen große Erwartungen. “Es ist viel besser, die Dinge mit eigenen Augen zu sehen”, meinte die 14 Jahre alte Betül Aydin aus Bad Homburg. Ihre zwei Jahre ältere Mitschülerin Betül Bulut glaubt, dass die Menschen in den USA ähnlich lebten wie in Deutschland. Es sei sehr wichtig, sich kennen zu lernen, um sich besser zu verstehen.
Wiesbadener Kurier vom 30.01.2007
