Rheinische Post: Wiedersehen mit Umarmung

11.07.2006

Meine Gastfamilie hat mir das Gefühl gegeben: Egal, was passiert, wir geben niemals auf.“ Mohamed Seghaouis Augen glänzen immer noch, wenn er von dem zehntägigen Aufenthalt in den USA erzählt. New York City sei am schönsten gewesen - vor allem nachts und beleuchtet. eines hat den 16-Jährigen, der sechs Schwestern hat, bei seiner Gastfamilie empört: „Der Mann arbeitet, putzt, führt den Haushalt. Die Frau macht gar nichts - und redet nur.“

Mohamed ist einer von zehn Schülern der Klasse 10b der Gemeinschaftshauptschule am Rather Kreuzweg, die als erste mit dem Besuchsprogramm „Windows on America“, das US-Botschafter William R. Timken gemeinsam mit seiner Frau Sue ins Leben gerufen hat, in die USA fliegen durften. Das Konzept: Hauptschülern, die sonst kaum an Auslandsprogrammen teilnehmen, mit Hilfe von Sponsoren eben das zu ermöglichen.

Gestern wurden die Schüler samt ihrer Lehrerin Johanna Kaup, Eltern und Geschwistern im Garten des US-Generalkonsuls George Knowles mit einem Barbecue empfangen. Auch die Botschaftersgattin Sue Timken ist aus Berlin angereist - in elegant-legerem Look von Armani und Chanel, auf dem Kopf eine Jeans-Baseball-Mütze mit US-Flagge aus Strass-Steinen. Die habe ihr George Bush senior geschenkt. „Willkommen zurück, ich hoffe, ihr habt viel Stoff für eure Hausarbeiten mitgebracht“, sagt Timken und umarmt die Schüler als Dank für ein in den US-Farben gerahmtes Gruppenfoto, das sie ihr übergeben.

Burger-Essen, Sightseeing, die Gastfamilien - in einer liebevollen Fotoshow zeigen die Jugendlichen, welches „Fenster nach Amerika“ ihnen geöffnet wurde. Faszinierend fanden viele den Besuch der Bibliothek im Capitol von Iowa. „Wenn wir so eine Bücherei in der Schule hätten, würde ich lieber lernen“, sagt Jessica Steffen. Eine US-Schule hat die 17-Jährige auch besucht: „In jeder Klasse gab es Computer, DVD, Fernsehen und richtige Sessel.“ Peter Melerski von Ernst&Young, einem der neun Sponsoren, sagt: „Wichtig ist Nachhaltigkeit, dass das Projekt jetzt fortgeführt wird.“

Bildung ist wichtig, darauf legt auch Abdellah Seghaoui, Mohameds Vater, wert: „Meine Zukunft ist vorbei. Alles, was ich habe, stecke ich in die Zukunft der Kinder.“

Von Denisa Richters

Rheinische Post, 11.07.2006

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