Rheinische Post: Ein Traum geht in Erfüllung
21.06.2006“Ich freue mich am meisten auf New York”, sagt Mohamed Seghaoui (16). “Ich freue mich, überhaupt in die USA zu kommen”, sagt Jasmina Todorovic (17). “Es ist ein Traum, der in Erfüllung geht.” Die beiden Jugendlichen strahlen, rollen nervös die US-Fähnchen zwischen ihren Fingern. Sie sind aufgeregt. Aufgedreht. Denn in einer Stunde hebt ihr Delta-Airlines-Flieger ab - über Atlanta nach Washington D.C., Hauptstadt der USA.
Mohamed und Jasmina gehören zu zehn Schülern der 10b an der Gemeinschaftshauptschule Rather Kreuzweg, die im Rahmen des Besuchsprogramms “Windows of America” mit ihrer Lehrerin Johanna Kaup als erste in die Vereinigten Staaten reisen. US-Botschafter William R. Timken und seine Frau Sue haben das Programm ins Leben gerufen. Ziel ist es, Hauptschülern, Jugendlichen mit Migrationshintergrund, Schülern also, die sonst kaum die Chance dazu hätten, das “Fenster nach Amerika” zu öffnen.
Die Schüler aus Rath werden nicht nur Washington und New York besuchen, sondern auch in Des Moines, Iowa, für vier Tage zu Gast bei amerikanischen Familien amerikanischen Alltag kennen lernen. Finanziert wird das Projekt ausschließlich durch Spenden deutscher und amerikanischer Firmen - ein gutes Beispiel für Public-Private Sponsorship (s. Infokasten).
Botschafter Timken und seine Frau sind eigens aus Berlin angereist, Generalkonsul George Knowles und seine Frau Gayle sind gekommen, die Sponsoren haben Vertreter geschickt, um die Hauptschüler zu verabschieden. “Ich hoffe, dass sich andere Unternehmen ein Beispiel daran nehmen”, sagt Peter Melerski, Vorstandsmitglied bei Ernst & Young, wo bei einem Besuch der Timkens die Idee entstand. “Vor sechs Monaten hätte niemand gedacht, dass so ein Projekt zustande kommt”, betont der Botschafter. “Doch es gab eine Träumerin, die Lehrerin, und es gab jemanden, der den Traum wahr gemacht hat - meine Frau Sue.” Seine Gattin wischt sich eine Träne aus dem Augenwinkel, bittet einen der Sponsoren um ein Taschentuch.
Und auch einige der Jugendlichen blicken gerührt zu Boden. “Ich möchte mich bedanken”, sagt Mohamed etwas schüchtern, als er stellvertretend für die anderen von seiner Lehrerin zum Mikrofon geschoben wird. Wie wurden die Schüler auf die Reise vorbereitet? “Ich bin amerikophil”, sagt Johanna Kaup. “Ob die wollten oder nicht, sie mussten meine Schwärmereien anhören - seit vier Jahren.” Vor vier Jahren war es, als Kaups Kinder aus dem Haus waren und sie beschloss, Hauptschüler zu unterrichten, statt ihre Freizeit auf dem Golfplatz zu verbringen.
“Amerikaner sind als freundliche Gastgeber bekannt. Gehen Sie auf jeden zu, stellen Sie Fragen”, gibt Botschafter Timken den jungen Reisenden mit auf den Weg. Es sei nicht wichtig, hohe Häuser zu sehen oder Fast Food zu essen, sondern herauszubekommen, was Amerika wirklich ausmacht. Am 10.Juli treffen sich alle wieder beim Barbecue in der Residenz des Generalkonsuls.
Rheinische Post vom 21.06.2006

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