Frankfurter Rundschau: Botschafter lädt muslimische Mädchen in die USA ein
30.01.2007Jugendliche reisen nach Boston, New York und Washington, um sich selbst ein Bild der Vereinigten Staaten zu machen
Für zehn muslimische Mädchen aus der Rhein-Main-Region organisiert die US-Botschaft im April ein USA-Besuchsprogramm. Botschafter William Timken stellte es am Montag den 25 Bewerberinnen und ihren Familien vor. Firmen sponsern das Programm.
Frankfurt • Für die 25 Mädchen, ihre Familien und die islamischen Organisatoren war es ein außergewöhnlicher Tag: Der US-Botschafter und seine Frau besuchten sie am Montag in der Merkez-Moschee. Anfang April werden zehn muslimische Mädchen “sehen, wie wir in der USA leben”, sagte Timken im Hauptgebetsraum zu ihnen. Die Mädchen hätten die Chance, “dass ihr USA-Bild nicht nur von Medienberichten oder Fernsehbildern geprägt wird”. Sie könnten sich anhand eigener Eindrücke ein Bild machen.
In der USA gibt es laut Timken mehr als sechs Millionen Muslime. Für die Besucher sei es sicherlich interessant zu erfahren, wie Muslime in den USA leben. Timken unterstrich, mit dem Besuchsprogramm wolle er den Dialog und die Freundschaft mit Muslimen in Deutschland fortsetzen. “Wir wollen mit unserer Teilnahme zeigen, dass sich Muslime nicht abkapseln, sondern dass sie offen und an der Begegnung mit den USA interessiert sind”, sagte Hüseyin Kurt, Öffentlichkeitsreferent der Türkisch-Islamischen Union der Anstalt für Religion (DiTiB).
Der islamische Verein hat die 25 muslimischen Mädchen ausgewählt, die sich um die Teilnahme bewerben. Interessentinnen zu finden, sei kein Problem gewesen, betonte Gonca Aydin von DiTiB. “Einzige Schwierigkeit bei der Auswahl war die Altersbegrenzung.” Die Eltern hätten zugestimmt, “weil sie ihr Vertrauen zu DiTiB und dem US-Botschafter gewinnen konnten”.
Das Besuchsprogramm “Windows on America” beginnt am 2. April mit einem einwöchigen Aufenthalt in Boston. Die 15- bis 17-jährigen Mädchen besuchen Schulen und Museen. Außerdem lernen sie das Gemeindeleben kennen. Danach sind Bildungsprogramme in New York und Washington geplant. “Unser Wunsch ist, dass sie in Amerika bei islamischen Familien wohnen”, sagte Gonca Aydin. “Unsere Gastgeber sollen sich wohlfühlen und nicht das Gefühl haben, etwa beim Essen etwas falsch zu machen.”
Die 15-jährige Zeliha Kurt von der Ernst-Reuter-Schule ist “schon gespannt, wie Muslime in den USA leben und ob es die gleichen Vorurteile gibt”. In Deutschland werde sie häufig unterschätzt. Sehr gern würde die Schülerin ihre Englischkenntnisse verbessern und sich die Sehenswürdigkeiten anschauen. Doch ob sie ausgewählt wird, hängt von ihrem Essay ab: “Ich werde schreiben, was ich über die USA weiß, was ich noch darüber erfahren will und was ich von der Reise erwarte”, erzählt sie.
Mehr Jynis Aydin aus Bad Homburg unterstützt das Programm, weil ihm die Zukunft seiner Tochter Betül wichtig sei. “Sie geht auf das Gymnasium und spricht vier Sprachen”, sagt er stolz. Ihre Englischkenntnisse, hofft er, werde sie beim USA-Aufenthalt verbessern. Er sei dankbar dafür und wünsche sich, dass Ausländer mehr solcher Unterstützung in der Schule bekämen.
Von Franziska Schubert
Frankfurter Rundschau vom 30.01.2007

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