F.A.Z.: Einladung nach Amerika
30.01.2007Botschafter stellt in Merkez-Moschee muslimischen Schülerinnen und ihren Eltern Besuchsprogramm vor
25 muslimische Jugendliche haben in den Osterferien die Chance, auf Einladung der amerikanischen Botschaft in die Vereinigten Staaten zu reisen. Um die Bewerberinnen für das Besuchsprogramm “Windows on America” kennenzulernen, ist der amerikanische Botschafter William R. Timken gestern in die Frankfurter Merkez-Moschee gekommen. Am Ende eines Auswahlverfahrens werden zehn der 25 jungen Frauen die Reise antreten können. Sie müssen hierfür einen Essay verfassen, in dem sie ihre Vorstellungen über das Leben in Amerika beschreiben.
“Die Mädchen sollen die Möglichkeit erhalten, sich ein Bild vom Zusammenleben von muslimischen und nicht-muslimischen Amerikanern zu machen”, sagte der Botschafter. Seine Frau Sue Timken hatte das Programm ins Leben gerufen. Organisiert wird die Reise von der amerikanischen Botschaft in Berlin, finanziert wird sie mit Hilfe von Spenden deutscher und amerikanischer Unternehmen.
Das Programm gibt es seit 2006, in diesem Jahr können aber erstmals ausschließlich muslimische Mädchen an ihm teilnehmen. Sie werden zehn Tage lang in Amerika sein und bei muslimischen Familien in Boston, New York und Washington wohnen. Timken und seine Frau verbinden damit mehrere Ziele: Zum einen sollen die Jugendlichen einen dauerhaften Kontakt zu Amerikanern bekommen. Außerdem sollen Beziehungen zwischen deutschen und amerikanischen Schulen entstehen. Auch will das Programm dazu beitragen, Vorurteile gegenüber den Vereinigten Staaten abzubauen.
Die 25 Bewerberinnen, die gestern in der Merkez-Moschee zusammengekommen waren, sind zwischen 15 und 17 Jahren alt und kommen aus Frankfurt, Bad Homburg, Hanau und der Region um Darmstadt. An dem Treffen nahmen auch die Eltern der Bewerberinnen teil. Die Religionsbeauftragten der jeweiligen Gemeinden der Türkisch-Islamischen Union der Anstalt für Religion, nach dem türkischen Namen kurz “Ditib” genannt, hatten die Mädchen ausgewählt. Auch die Merkez-Moschee gehört zu Ditib.
“Wir möchten derartige Kooperationen und Projekte auch weiterhin unterstützen”, sagte Irfan Dinc, der Frankfurter Ditib-Vorsitzende. Er hoffe, dass “die Erfahrungen des Besuchsprogramms den Lebensweg der Mädchen bereichern werden”. Vor allem junge Ausländer hätten oft keine Gelegenheit, in die Vereinigten Staaten zu reisen, sagte Sue Timken. Sie selbst habe als junges Mädchen aus finanziellen Gründen nicht in andere Länder reisen können. “Das möchten wir den Mädchen ermöglichen.”
In den nächsten drei Jahren wollen sie und ihr Mann insgesamt 300 Schüler aus Deutschland in die Vereinigten Staaten einladen. Koba
F.A.Z. vom 30.01.2007
