Berliner Morgenpost: Botschafter ermöglicht Gymnasiasten USA-Reise

31.10.2006

Firmen finanzieren den New-York-Trip von jungen Neuköllnern aus Migrantenfamilien

Neukölln Fastfood und die Leuchtreklamen am Broadway, New Yorks Stadtteile Bronx und Chinatown, Highschool-Unterricht und Football: zehn junge Neuköllner aus der Ernst-Abbe-Oberschule sind von einer Reise in die USA zurück. Spendiert wurde ihnen der zehntägige Trip nach New York, Des Moines im Staat Iowa und Washington D.C. über das Besuchsprogramm “Windows on America”. US-Botschafter William R. Timken und seine Frau Sue haben es initiiert und amerikanische und deutsche Firmen gefunden, die das Projekt finanzieren. “Es ist ein ausgezeichnetes Beispiel für Privat-Public-Partnership”, sagt der Diplomat. Er möchte, dass junge Leute sein Heimatland kennenlernen, die sonst keine Möglichkeit haben, in die USA zu reisen.

Die jungen Reisenden stammen zum großen Teil aus Migrantenfamilien und hatten durch ein Essay ihre guten Englischkenntnisse nachgewiesen. Gestern hörte ihnen Botschafter Timken zu, als sie ihren Mitschülern im Gymnasium an der Sonnenallee von der Reise berichteten. “Unsere Gasteltern haben uns jeden Wunsch von den Augen abgelesen”, schwärmt Cagdas (17). “Die Menschen sind sehr freundlich, im Restaurant beginnen zum Beispiel viele einen Smalltalk”, erzählt Sharonda (17). Ihre Eltern stammen aus Ghana. Cagdas kommt aus einer türkischen Familie. Thuy Vi berichtet von der Cheerleaderin, die sie an einer Highschool kennengelernt hat. Die jungen Neuköllner sind begeistert von den vielen Freizeitaktivitäten der Highschool, die nach dem Unterricht angeboten werden. Sie erzählen von den modernen Mikroskopen im Chemieunterricht und davon, dass jeder Lehrer einen Laptop zur Verfügung hat. Sie erzählen vom Gespräch mit einer Augenzeugin des Terroranschlags vom 11. September 2001, von Bowling und Bibelstunde, den vielen Fastfood-Läden.

“Ziel unseres Projektes ist, dass Jugendliche mit eigenen Augen die USA sehen und nicht nur auf das Amerika-Bild angewiesen sind, dass ihnen die Medien bieten”, sagt US-Botschafter Timken. Er wünscht sich, dass die Schüler in ihrem Umfeld von der Reise berichten. Timken will sich weiter um Sponsoren bemühen und “Windows on America” fortsetzen. Die nächsten Nutznießer werden Mädchen und Jungen einer Schule in Frankfurt/Main sein.

Von Sabine Flatau

Berliner Morgenpost vom 31.10.2006

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