Badische Zeitung: Einmal Amerika und zurück
19.06.2008Nach der Teilnahme am Austausch haben die Emil-Gött-Schüler ein ganz anderes Bild von den USA
ZÄHRINGEN. Von wegen dick und ultrareligiös – dass die meisten Vorurteile über Amerikaner gar nicht stimmen, davon konnten sich zehn Hauptschüler der Emil-Gött-Schule vor kurzem überzeugen. Sie durften bei “Windows on America” teilnehmen (die BZ berichtete). Dieses Austauschprogramm extra für deutsche Hauptschüler hat der US-Botschafter William Timken ins Leben gerufen. Vorurteile abbauen ist das Ziel. Bei den Zähringer Jugendlichen, die zwei Wochen in den USA unterwegs waren, hat’s geklappt.
Zum Beispiel seien Amerikaner gar nicht so religiös, wie die Schüler geglaubt haben. “Ich dachte, die gehen jeden Sonntag in die Kirche”, erzählt Nadine Araujo-Dinis, “aber meine Gastfamilie war überhaupt nicht gläubig und total locker.” Fünf Tage haben die Jugendlichen in Charlotte in North Carolina im Süden der USA bei Gasteltern gelebt und sind dort auch zur Highschool (weiterführende Schule, entspricht in etwa einer deutschen Gesamtschule) gegangen. Danach standen Besuche in der Hauptstadt Washington und in New York auf dem Programm – alles komplett von der US-Botschaft finanziert. Den Schülern sind deutliche Unterschiede aufgefallen. “In New York waren die Leute viel unhöflicher als in Charlotte”, sagt Kai Leopold. Trotzdem hat die Stadt dem 15-Jährigen gefallen – das zeigt schon das “I love NY”-Shirt, das er sich als Souvenir gekauft hat.
Hogir Sevgen war vor der Abreise am meisten auf Ground Zero gespannt und zeigt sich jetzt auch schwer beeindruckt vom Schauplatz des Terroranschlags vom 11. September 2001: “Man kann das Gefühl gar nicht richtig beschreiben, diese riesige Baustelle zu sehen”, erzählt der 15-Jährige.
Von der Highschool in Charlotte waren alle restlos begeistert. “Die Schüler dort können sich richtig spezialisieren”, sagt Mimoza Duraku, “zum Beispiel auf Design, Musik oder Kunst.” Mimoza Duraku, Nadine Araujo-Dinis und ihre Mitschülerin Tamara Blum Serra haben im Chor mitgesungen und schwärmen immer noch davon. Eigentlich hatte sich Nadine auch gewünscht, einen echten Gospelchor in Aktion zu sehen. Weil ihre Gasteltern aber eben nicht religiös waren, hat das nicht geklappt.
Englisch zu sprechen hat den Jugendlichen keine großen Probleme gemacht, berichten sie. “Sie haben einfach drauf los geredet und sehr schnell dazugelernt”, bestätigen die Englischlehrer Beatrix Boestel und Fabian Vogt, die die Schüler auf der Reise begleitet haben. Mit der amerikanischen Generalkonsulin Jo Ellen Powell, die kürzlich in der Schule zu Gast war, um mit den Jugendlichen über ihre USA-Erfahrungen zu sprechen, haben sie aber dann doch Deutsch geredet.
Wenn die Schüler es sich aussuchen könnten, würden sie lieber in den USA als in Deutschland leben. “Aber meine Familie müsste mit”, betont Nadine Araujo-Dinis. Ein bisschen prüde scheinen die Amerikaner aber doch: “Ein Mädchen in der Schule hatte einmal einen zu kurzen Rock an”, lacht Kai Leopold, “sie musste ihre Eltern anrufen und sich eine Hose bringen lassen, bevor sie in die Klasse durfte.”
Von Verena Schwald
Badische Zeitung vom 19.06.2008
